Zeit der Stille

EMOTION und GEFÜHL: Worin liegt der Unterschied?

FÜHLEN, BENENNEN, ENTKOPPELN, SPÜREN UND DURCHFLIESSEN LASSEN - mehr ist nicht zu tun! Klingt einfach! Ist es das wirklich?

Emotionen sind Gefühle, die augenblicklich auftauchen und die wir in diesem Moment noch nicht als Gefühl erkannt haben. Eine Emotion wird zum Gefühl, in dem wir sie (die Emotion) bewusst haben und sie als Gefühl benennen können.

Das erleichtert den ersten Schritt zur Distanzierung.
Das kann hilfreich sein, aber auch ein Stück vom Erlebnis wegführen.

Ein Bespiel dazu:
„Ich liebe dich!“ ist ein Satz, den wir alle gerne hören. Doch in dem Moment, in dem er ausgesprochen wurde, geht die Emotion, das gerade im Augenblick empfundene, in die Abstraktion. Das Gefühl wurde gedanklich kommunizierbar gemacht. Das kann das Erleben reduzieren.

Am anderen Ende des Spektrums ist das hingegen überaus hilfreich.
Wenn wir wütend sind und so außer uns, dass wir diese Distanzierung nicht schaffen, dann kann das äußerst zerstörerisch und destruktiv werden.

Doch selbst wenn wir Emotionen als Gefühl benennen können, ist der Bewusstwerdungsprozess damit noch nicht abgeschlossen.

Um bei Bespiel Wut zu bleiben, auch wenn wir sie als solche erkennen und benennen können, ist sie ja damit noch nicht verschwunden. Wir konnten uns lediglich etwas Raum verschaffen, um nicht wild darauf reagieren zu müssen. Doch der Weg zur Gelassenheit, zur eigenen Mitte, ist dabei noch nicht gegangen.

Der nächste Schritt ist das ENTKOPPELN.
Was ist damit gemeint?
Es ist wichtig zu erkennen, dass das Gefühl ausschließlich mein eigenes ist. Niemand kann es für mich lösen. Es ist ein Irrglaube anzunehmen, wenn der Trigger verschwindet, ist das die Lösung des Problems und das Gefühl verschwindet.
ENTKOPPELN HEISST, TRENNE DAS GEFÜHL VOM EREIGNIS.
Ich bin wütend! Im Moment ist es nicht wichtig, warum und was oder wer das Gefühl ausgelöst hat. Es ist da und es will gefühlt werden.
Mit dem Abschieben der Verantwortung über das Gefühl, geben ich meine Macht über mich an den jeweiligen Trigger. Will heißen, ich mache jemanden anderen für mein vermeintliches Glück oder Unglück verantwortlich.
WICHTIG: Das heißt nicht, dass man niemanden zur Verantwortung ziehen kann oder besser und unterscheidbarer: DIE KONSEQUENZEN JEDER TAT MUSS AUSSCHLIESSLICH JEDER SELBST UND FÜR SICH TRAGEN! Doch das bedeutet auch, und hier schließt sich der Kreis, auch ich bin für meine Wut verantwortlich und muss die Konsequenzen, wie ich damit umgehen, selber tragen. Damit durchbreche ich die Reaktionskette.
In dem ich die Wut vom Ereignis entkoppelt habe, habe ich mich weiter distanziert.

Was jetzt noch bleibt ist: SPÜREN UND DURCHFLIESSEN LASSEN!
Ich kann spüren: Wo im Körper sitzt die Wut? Möchte ich schreien oder auf ein Kissen schlagen? Kommen mir die Tränen? Welche anderen Gefühle tauchen dabei auf (wie z.B. Hilflosigkeit, Ausweglosigkeit, usw…). All das will nicht analysiert werden, sondern durchlebt und gespürt werden.

Erst jetzt kann ich angemessen AGIEREN und bin nicht mehr meinen Emotionen und Gefühlen ausgeliefert!

Das alles können sehr anstrengende und nicht erzwingbare Prozesse sein, daher sei geduldig, nachsichtig und sehr liebevoll mit dir selbst, aber BLEIB DRAN!

Emotionen wollen erlebt werden, Gefühle wollen erfasst werden. Das geht Hand in Hand. Zusammengefasst bedeutet das: FÜHLEN, BENENNEN, ENTKOPPELN, SPÜREN UND DURCHFLIESSEN LASSEN.

Ich wünsche dir, dass du immer mehr ins Agieren kommst und so dein Leben viel freier gestalten kannst!
Wenn du dabei Hilfe brauchst, bin ich gerne für dich da! CM